Prozessauftakt am Landgericht: Hat der MHH-Arzt Patienten getötet? - Radio Hannover - die Stimme der Stadt auf 100,0

Prozessauftakt am Landgericht: Hat der MHH-Arzt Patienten getötet?

Am Landgericht ist am Freitag der Prozess gegen einen früheren Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover gestartet. Er soll schwerkranken Menschen Medikamenten verabreicht haben, um sie zu töten. Gegen ihren ausdrücklichen Willen beziehungsweise den Wunsch der Angehörigen auf Weiterbehandlung. Der 49-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, er ist unter anderem wegen Mordes angeklagt.

Im Prozess geht es vor allem um die Frage: War es eine Sterbebegleitung oder eine Tötungsabsicht? Gerichtssprecher Eike Kassebaum: "Diese Abgrenzung kann im Einzelfall sehr schwierig sein. Die Kammer wird Zeugen vernehmen. Aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten, Arbeitskolleginnen - also Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal vernehmen, um die Behandlungssituation einzuschätzen. Aber auch generell den Umgang des Angeklagten mit solchen ethisch schwierigen Fragen. Stand jetzt wird die Beweisaufnahme komplex werden."

Ein medizinischer Sachverständiger soll außerdem klären, ob die verabreichten Medikamente notwendig waren.

Es droht eine lange Haftstrafe. Wenn eine besondere Schuldschwere festgestellt wird, würde das dazu führen, dass eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren wohl ausgeschlossen ist, so Kassebaum.

Ein Anwalt hatte die Vorwürfe zuletzt bestritten. Der Arzt ist unter anderem wegen Mordes angeklagt. Er soll zwei Patienten mit Medikamenten getötet haben. Außerdem soll er als Notarzt versucht haben, eine weitere Patientin zu töten – die aber erst in der Folgenacht verstarb.

Insgesamt sind noch 14 weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte im September fallen.